Gruppen-Outplacement bei einem mittelständischen Unternehmen der Medienbranche

Gruppen-Outplacement

bei einem mittelständischen Unternehmen der Medienbranche

Jürgen Hesse, Karriereberater und Buchautor, leitet seit diesem Frühjahr ein Gruppen-Outplacement bei einem mittelständischen Unternehmen der Medienbranche.

Herr Hesse, können Sie das Projekt kurz beschreiben?

Das Unternehmen befand sich in einer sehr ernsten wirtschaftlichen Lage, die die Entlassung von fast 50 Prozent der Angestellten notwendig werden ließ. Andernfalls drohte der Gesamtzusammenbruch und Wegfall sämtlicher Arbeitsplätze. Rund 50 redaktionelle Mitarbeiter sowie über 60 Angestellte aus dem Marketing/Vertriebsbereich sollten durch unsere Berater bei der Suche nach einer neuen Position unterstützt werden. Gleichzeitig mussten die verbleibenden Mitarbeiter stabilisiert werden, damit sie den Schock überwinden, dass es sie auch hätte erwischen können oder die Gefahr besteht, dass es sie noch trifft.

Wie sieht das Konzept konkret aus?

In zwei Auftaktveranstaltungen haben wir erst einmal erklärt, was Outplacement genau bedeutet und warum von Kündigung betroffene Arbeitnehmer davon profitieren. Dann haben wir unsere Arbeitsweise vorgestellt, die Inhalte der Beratungen und Seminare dargestellt und welche Unterstützung die Betroffenen erwarten können. Insbesondere haben wir den gekündigten Mitarbeitern ausreichend Gelegenheit für ihre Fragen, aber auch ihre Emotionen wie Ärger und Frust gegeben. Noch am selben Tag konnten sie vertrauliche Einzelgespräche mit unseren Beratern und Beraterinnen führen - ein erster Schritt, um ein Vertrauensverhältnis aufzubauen. Die Betroffenen müssen sich ernst genommen fühlen. Das ist der zentrale Aspekt für eine gelungene Arbeit. Zu unserer Freude haben alle Betroffenen unser Angebot angenommen. In dem auf neun Monate angelegten Projekt finden mit jedem Mitarbeiter etwa 20 persönlichen Beratungen statt. Zusätzlich dienen Gruppenworkshops dazu, allgemeines Grundwissen zur Berufsorientierung und dem gesamten Bewerbungsprozess zu lernen und intensiv zu trainieren.

Was war die Herausforderung für das Beraterteam?

Wie kann man die Stimmungslage und die Perspektive der beiden Personengruppen, jene die gehen und jene bleiben, verbessern. Zu Beginn einer Outplacementmaßnahme ist seitens der Berater sehr viel psychologisches Fingerspitzengefühl gefragt. Die Gruppe der Gekündigten muss die Situation akzeptieren und verstehen lernen, sich von dem alten, manchmal jahrelang vertauten Arbeitgeber trennen zu müssen. Denn nur dann können die weiteren Schritte in Richtung neuer beruflicher Zukunft wirklich gelingen. Eine neue Perspektive zu entwickeln bedeutet, dass die Teilnehmer erkennen, welche Stärken sie besitzen und wie sie diese in der Folge geschickt kommunizieren. Ziel ist es, dass die Arbeitsuchenden zuversichtlich nach vorne blicken. Das manifestiert sich dann zum ersten Mal in der Erstellung der Bewerbungsunterlagen. Sie sollen die positiven Seiten der Bewerber herausheben und von Optimismus und Tatendrang geprägt sein - wie bei einem Bewerber, der sich aus ungekündigter Stellung heraus bewirbt. Die verbleibenden Mitarbeiter erfahren ebenfalls psychologische Unterstützung. Hier haben wir Workshops wie auch Einzelgespräche angeboten und den Vorgesetzten Hilfestellungen für ihre Führungsfunktion in dieser schwierigen Zeit gegeben.

Wie ging es konkret weiter?

Nach ersten Einzelberatungsterminen folgten verschiedene Gruppenveranstaltungen passend zu der Phase, in der sich die Teilnehmer jeweils befanden: "Potenzialanalyse", "die perfekte schriftliche Bewerbung", "Simulation von Vorstellungsgesprächen", "die gekonnte Selbstpräsentation für jede Gelegenheit", "Small Talk und Networking". Diese beinhalteten immer zahlreiche Übungen und konkrete Feedbacks an die Teilnehmer und der Teilnehmer untereinander. Parallel dazu fanden weiterhin Einzelberatungen statt.

Was waren die Hauptthemen bei dieser Zielgruppe?

Da viele schon jahrelang in diesem Unternehmen gearbeitet hatten, gab es zum Teil eine völlige Orientierungslosigkeit im Hinblick darauf, wie man sich heutzutage auf dem Jobmarkt präsentiert, welche neuen Möglichkeiten dabei das Internet bietet und wie man langfristig ein vorteilhaftes berufliches Netzwerk aufbaut und pflegt. Wir haben den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bei der beruflichen Neuorientierung geholfen, helfen ihnen beim Herausfinden von Stellenalternativen und bei der konkreten Jobrecherche. Auch haben wir sie darin bestärkt, vorhandene Netzwerke zu nutzen und die richtigen neuen Netzwerke gezielt aufzubauen. Die Berater mussten erst ein Bewusstsein für diese wichtigen Bausteine des weiteren beruflichen Erfolgs schaffen.

Welche Ergebnisse sind bisher zu verzeichnen?

Die Vermittlung der Mitarbeiter in neue Arbeitsverhältnisse entwickelt sich trotz der äußerst schwierigen Arbeitsmarktlage sogar etwas besser als erwartet. Innerhalb der ersten sechs Monate konnten schon mehrere neue Verträge unterzeichnet werden. Gerade in der Wirtschaftskrise spielen örtliche Faktoren und die Branche des Arbeitgebers, aber auch Beruf, Qualifikation, Alter und natürlich auch die Mobilität der betroffenen Mitarbeiter eine entscheidende Rolle. Traumquoten - wie manche Marktanbieter glauben machen wollen - sind absolut unrealistisch! Dennoch ist Outplacement für die Unternehmen wie für die Mitarbeiter eine große Chance, das Beste aus einer schwierigen Situation zu machen und bestens vorbereitet zu sein.

Wünschen Sie gerne weitere Informationen zum Thema Outplacement? Herr Thomas Rübel (tr@berufsstrategie.de, 030 / 28 88 57 0), steht Ihnen gerne als Ansprechpartner zu Verfügung.





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