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Ist Ihr Kollege immer allein und sorgt er durch markerschütternde Blicke und Abwehrverhalten in jedwede Richtung dafür, dass das auch so bleibt? Sitzt er in der Kantine immer allein und hält jede Einladung zu einem Betriebsfest für einen Anschlag auf seine persönliche Freiheit? Würde er sich eher die Zunge abbeißen, als Sie zu fragen, ob Sie Hilfe brauchen, wenn auf Ihrem Schreibtisch gerade "Land unter" herrscht, Sie noch wichtige Telefonate führen müssten und es Ihnen sehr helfen würde, wenn Ihnen jemand den Gang zum Kopierer abnehmen würde? Gibt er nur Antwort, wenn er gefragt wird und das auch nur in grammatikalisch fragwürdigen Halbsätzen oder, vom höheren Informationsgehalt her, eher dünnen "Ja" oder "Nein"-Kopfbewegungen? Geht das soweit, dass er sogar wichtige Informationen für sich behält und es nicht für nötig erachtet, Sie über Änderungen abgesprochener Abläufe zu informieren? Schirmt er sich ab und lässt Sie über seine Arbeitsmethodik im Unklaren? Reagiert er auf Annäherungsversuche wie ein gereizter Bulle?
Dann ist Ihr Arbeitskollege womöglich ein klassischer Teamvermeider. Er verfügt meist über ein brillantes Fachwissen, weswegen er unverzichtbar ist. Wissentlich oder unwissentlich ist das sein größter Trumpf. Entweder hält er von seinen Kollegen und ihrem beruflichen Wissen wirklich nicht viel, hat tatsächlich kein Interesse an zwischenmenschlichen Beziehungen oder er ist extrem schüchtern und scheut aus Angst vor Blamage oder zu tiefen Einblicken in sein Seelenleben den näheren Kontakt. Oft ist er auch nicht in der Lage, Abläufe oder Denkprozesse allgemein verständlich in Worte zu fassen, weil er sehr komplex denkt und das Ziel seiner Überlegungen erst im Ergebnis offensichtlich wird. Seine Arbeit ist meist sein Steckenpferd und er findet es unerträglich, Fortschritte gemeinsam zu erarbeiten. Er hat mit Sicherheit seine festgelegten Rituale und reagiert offensichtlich allergisch auf bestimmte Verhaltensweisen.
Lassen Sie solchen Kollegen besser ihre Ruhe und nähern Sie sich sachte. Achten Sie darauf, welche Verhaltensweise ihn besonders auf die Palme bringt und vermeiden Sie, wenn es Ihnen möglich ist, ihn damit zu belasten. Sparen Sie sich beispielsweise permanente Fragen nach seinem Wohlbefinden und schenken Sie sich vor allem Hilfsangebote aller Art. Warten Sie mit wichtigen Fragen zu Abläufen auf den richtigen Moment und leiten Sie Ihre Ansprache in einem sachlich-freundlichen Ton ein, z. B. mit: "Sie sind doch ein Fachmann auf diesem Gebiet..."
Lassen Sie sich aber auf keinen Fall von seiner Reaktion provozieren und haken Sie nach, wenn Sie eine Information dringend brauchen. Und vor allem – nehmen Sie Rüffel von seiner Seite nicht persönlich. Nicht jeder ist ein Gemeinschaftswesen und für Einzelgänger wie ihn ist es häufig eine echte Überwindung und Belastung, sich ständig einbringen und mit anderen kommunizieren zu müssen. Verhalten Sie sich aber zurückhaltend-distanziert und zeigen Sie ihm auf unaufdringliche Weise, wie sehr Sie seine Arbeit schätzen, könnte er sich Ihnen gegenüber unter Umständen öffnen.
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