
Haben Sie sich einmal Stellengesuche von anderen Bewerbern angesehen? Ja? Was ist Ihnen dabei aufgefallen? Vielleicht, daß die meisten Anzeigen sehr eintönig, geradezu langweilig sind. Dabei stellt das Stellengesuch eigentlich eine ausgezeichnete Möglichkeit dar, die von Arbeitgebern so sehr geschätzte Leistungsbereitschaft und Motivation zu unterstreichen. Wenn Sie in die Offensive gehen und selbst eine solche Anzeige in die Zeitung setzen, zeigen Sie eindrucksvoll, daß Sie über diese Eigenschaften in hohem Maß verfügen. Allerdings kommt es nicht nur darauf an, daß man ein Stellengesuch aufgibt, sondern vor allem natürlich, wie sich der Stellen suchende darin präsentiert. Sie sollten verhindern, daß Ihre Anzeige farblos und austauschbar ist. Sonst löst sie bei Personalentscheidern eher ein Achselzucken aus als den Wunsch, mit Ihnen Kontakt aufzunehmen. Ausgangspunkt und Basis der Gestaltung eines erfolgreichen Stellengesuchs sind kurze, prägnante Antworten auf die Ihnen schon bekannten Fragen: Was bin ich? Was kann ich? Was will ich?
Wenn Sie nicht ausgerechnet eine Position als graue Maus ins Auge gefasst haben, sollte Ihr Stellengesuch zwei Bedingungen erfüllen:
Sechs Schritte zum wirkungsvollen Stellengesuch
Wie Sie ein Stellengesuch entwerfen, vermitteln wir Ihnen in sechs Schritten. Wer jetzt allerdings bereits
Papier und Bleistift gezückt hat und auf die ersten Formulierungshilfen wartet, wird enttäuscht sein. Auch
das Formulieren eines Stellengesuchs bedarf der ausführlichen Vorbereitung.
Schritt 1: Suchen Sie ein geeignetes Medium
Zunächst einmal gehen Sie auf die Suche nach einer geeigneten Zeitung oder einem geeigneten Magazin für
Ihre Anzeige. Etwas typisiert gilt: Volks- und Betriebswirte, die sich überregional bewerben, wählen das
Handelsblatt, Ingenieure die VDI-Nachrichten, Mediziner und Geisteswissenschaftler Die
Zeit, Handwerker Fachzeitschriften der entsprechenden Innung oder Lokalzeitungen. Wer sich nur lokal
umsehen möchte, ist (vor allem in den Wochenendausgaben) bei einer der großen regionalen Zeitungen gut
aufgehoben: Berliner Morgenpost, Kölner Stadtanzeiger, Stuttgarter Zeitung, Hannoversche Allgemeine,
Mainzer Allgemeine Zeitung, Leipziger Volkszeitung, Westdeutsche Allgemeine usw. Für den gesamten
süddeutschen Raum ist besonders die Süddeutsche Zeitung interessant. Bundesweit sind Frankfurter
Allgemeine Zeitung, Frankfurter Rundschau und Die Welt zu empfehlen.
Auf eine ganz bestimmte Branche festgelegte Bewerber inserieren am besten in einem speziellen Fachmagazin, da dort die Streuverluste geringer ausfallen und sie gezielt die in Frage kommenden Arbeitgeber ansprechen können. Für die Werbebranche beispielsweise gilt Werben & Verkaufen als Pflichtlektüre, für Juristen die Neue Juristische Wochenschrift. Wenn Sie nicht wissen, welches Fachorgan geeignet ist, erkundigen Sie sich bei einem Fachmann oder einer Fachfrau aus der Branche, bei der Industrie- und Handelskammer, bei Innungen oder Verbänden und Gewerkschaften. Mitglieder von Berufsverbänden erhalten oft Vergünstigungen, wenn sie in dem dazugehörigen Magazin inserieren.
Schritt 2: Nehmen Sie Stellengesuche und Stellenangebote im ausgewählten Medium gründlich unter die
Lupe
Bevor Sie beginnen, den Text zu formulieren, schauen Sie sich doch einmal
Stellenangebotsanzeigen an. Aus den darin sichtbar werdenden Anforderungsprofilen lässt sich viel lernen.
Dann untersuchen Sie sorgfältigst das Umfeld für Ihr künftiges Stellengesuch. Dazu schauen Sie sich auch
die Anzeigen anderer Jobsuchender an. Beurteilen Sie die einzelnen Stellengesuche nach folgenden
Kriterien:
Wenn Sie diese Fragen für jede der Anzeigen kurz beantworten, haben Sie schon eine Menge über Stellengesuche gelernt. Außerdem finden Sie auf diese Weise heraus, welche Fehler Sie bei Ihrer Anzeige vermeiden müssen, um sich positiv von Mitbewerbern abzuheben.
Schritt 3: Formulieren Sie einen Text mit dichtem Informationsgehalt
Auch jetzt sollten
Sie noch nicht mit dem Texten loslegen. Beantworten Sie besser zunächst drei Fragen:
Natürlich gibt es ihn nicht, den Königsweg der Formulierung. Ihr Text muss angemessen sein (sowohl dem, was Sie anbieten, als auch dem, was Sie suchen), gleichzeitig "wahr" und hochinformativ. Ihr Stellengesuch wird man ähnlich wie ein Arbeitszeugnis lesen: sehr gründlich und zwischen den Zeilen. Folgende Angaben dienen lediglich als Eckwerte und nicht als feste Vorgabe. Ihr Text sollte enthalten:
Wenn Sie sich (noch) in ungekündigter Stellung befinden, erwähnen Sie das in jedem Fall. Sind Sie
arbeitslos, ist das Stellengesuch nicht der Ort, wo Sie sich "outen". Denn obwohl
Arbeitslosigkeit kein Hinweis auf mangelnde Qualifikation oder fehlende Leistungsbereitschaft ist, wird
sie immer noch von vielen Chefs so bewertet. Daher sollten Sie den Ausdruck arbeitslos in Ihrem
Stellengesuch absolut vermeiden. Wenn man Sie bei der Kontaktaufnahme danach fragt, geben Sie an, daß Sie
sich weiterbilden, freiberuflich tätig sind oder ähnliches. Ebenso empfehlen wir Ihnen, Angaben wie
suche dringend oder zum baldmöglichsten Termin zu vermeiden. Sie wollen doch nicht von
vornherein Probleme bei der Arbeitsplatzsuche signalisieren.
Für alle Formulierungen gilt: Seien Sie immer klar und verständlich, und wiederholen Sie nicht im Text,
was bereits in der Überschrift steht. Erwähnen Sie keine Selbstverständlichkeiten wie zuverlässig
oder korrekt. Sprechen Sie nicht von neuen Wirkungskreisen oder von interessanten
Aufgaben. Niemand weiß, was darunter zu verstehen ist.
Alle Aussagen müssen spezifisch und präzise sein. Nennen Sie Ross und Reiter! Machen Sie eine klare Angabe
zu der Stellung, die Sie suchen. Wer nicht genau weiß, was er eigentlich sucht, wird von den meisten
Personalentscheidern nicht ernst genommen. Überlassen Sie es den Lesern, Ihnen möglicherweise ein
berufsfremdes Angebot zu machen! Vermeiden Sie Abkürzungen, mit Ausnahme der üblichen: w. für
weiblich, m. für männlich (falls das Geschlecht nicht schon aus der Überschrift hervorgeht),
langj. für langjährig, J. für Jahre bei der Altersangabe, Dipl. für Diplom. Andere
Abkürzungen machen den Text schlecht lesbar und unverständlich.
Schritt 4: Formulieren Sie eine Überschrift
Die Überschrift fällt als erstes ins Auge und ist deshalb der prominenteste Ort Ihrer Anzeige. Denken Sie
daher bei der Formulierung nicht so sehr daran, was Sie suchen, sondern welche Qualifikation Sie anbieten.
Nur wenn die Überschrift das Interesse eines Personalchefs weckt, wird er oder sie den übrigen Text
überhaupt lesen. Gehen Sie also mit Ihren neu gewonnenen Erkenntnissen aus Schritt 2 und 3 an die
Formulierung einer persönlichen Werbebotschaft. Da Sie sich abheben wollen, müssen Sie wirklich spezifisch
sein, zum Beispiel:
Wie Sie sehen, muss es bereits in der Überschrift gelingen, sich von anderen Inserenten abzusetzen,
damit man genau bei Ihrer Anzeige hängenbleibt. Aber bitte keine unseriösen Aufschneidereien, wie
Supermanager oder Vollprofi. Solche und andere wichtigtuerischen Formulierungen rufen
allenfalls ein nachsichtiges Lächeln hervor.
Stöbern Sie statt dessen in Ihrem reichlichen Erfahrungsschatz, und fördern Sie etwas zutage, was für
Ihren potentiellen Arbeitgeber von Bedeutung ist. Wichtig: Die Überschrift muss grafisch vom Rest
abgesetzt sein (Fettdruck/ größerer Schriftgrad).
Schritt 5: Versetzen Sie sich in die Lage eines Personalleiters, der sonntags morgens beim Frühstück
die Stellengesuche überfliegt
Nehmen Sie nun noch einmal die Perspektive Ihrer Zielgruppe ein
(Chef, Personalverantwortlicher, Abteilungsleiter ). Dieser Personenkreis hat vor allem eins: wenig Zeit
und wenig Geduld, sich mit nichtssagenden Stellengesuchen zu befassen. Daher sollten Sie bei der
Formulierung von Überschrift und Text diese anspruchsvolle Zielgruppe genau im Auge behalten. Prüfen Sie
immer wieder: Wird meine Wortwahl Personalentscheider dazu bringen, mit mir Kontakt aufzunehmen?
Schritt 6: Zum Schluss
Die meisten Stellengesuche werden unter Chiffre aufgesetzt, um
Anonymität zu wahren (z.B. wegen noch bestehender Arbeitsverträge). Ob Sie nun Ihre Adresse oder Chiffre
angeben, in beiden Fällen empfiehlt es sich, zusätzlich Ihre Telefon- und Faxnummer anzubieten. Denken Sie
daran: Sie müssen es der Personalleitung so leicht und angenehm wie möglich machen, sich mit Ihnen in
Verbindung zu setzen. Wenn der Personalchef spontan entscheidet, daß sich eine Kontaktaufnahme lohnen
könnte, wird er eher zum Telefon oder Fax greifen als die Sekretärin damit beauftragen, Ihnen in den
nächsten Tagen unter Chiffre eine Nachricht zukommen zu lassen.
Was noch zu bedenken ist
Einige Rahmenbedingungen sollten Sie bei Aufgabe eines
Stellengesuchs beachten: Größe, grafische Gestaltung und Kosten der Anzeige. Bei Fragen können Sie sich
auch an die Anzeigenberater/innen der Zeitungen wenden.
Ein eigenes Stellengesuch lässt sich nicht in zwanzig Minuten texten. Planen Sie lieber einen ganzen
Nachmittag dafür ein. Lassen Sie den Entwurf über Nacht liegen, und sehen Sie ihn am nächsten Morgen
erneut an. Hält er Ihrem kritischen Blick stand? Dann legen Sie Ihre Anzeige noch einmal einer von Ihnen
ausgewählten "Personalkommission" zur Beurteilung vor.
Wenn Ihnen diese Prozedur zu anstrengend ist, können Sie sich auch an einen professionellen
Karriereberater oder vielleicht sogar an das Arbeitsamt wenden. Hier stehen Ihnen erfahrene Fachkräfte mit
Rat und Tat zur Seite. In manchen Fällen übernimmt das Arbeitsamt sogar die Kosten für eine solche
Anzeige.
Sobald Ihre Eigenanzeige erscheint, sollten Sie Ihre Unterlagen (Lebenslauf, Zeugniskopien etc.)
bereithalten. So können Sie auf die eingehenden Angebote schnell reagieren.
Aber wie gesagt: Erwarten Sie nicht gleich zuviel. Manchmal muss man einen zweiten oder dritten Anlauf
unternehmen, bis man Reaktionen auf die Anzeige erhält. Zum Schluss noch einige positive und negative
Beispiele zur Veranschaulichung.
Download: Stellengesuche schreiben: Kommentierte Beispiele zum Download
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