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In der notdürftig weihnachtlich dekorierten Kantine gegen 21 Uhr – zu früh, um unauffällig zu verschwinden, zu spät, um doch noch in Stimmung zu kommen. Vom Band plärrt kitschige Weihnachtsmusik. Neben Ihnen schieben sich die Kollegen Meier und Müller gegenseitig die Schuld am Scheitern ihres Projekts zu. Hinter Ihnen weint Frau Brandt, weil sie doch immer für alle da war und ihr das keiner dankt. Der Rest Ihrer Weihnachtsstimmung stirbt mit der Attacke des Firmenlüstlings Dr. Hecht: "Frau Kollegin, Sie sehen heute wieder zum Anbeißen aus. Wollen wir beide nicht einmal ganz privat... ." Um den Abend perfekt zu machen, präsentiert sich sogar noch Ihr Chef – auch ganz privat.
Alle Jahre wieder rückt sie näher, die betriebsinterne Firmenweihnachtsfeier und mit ihr die Furcht vor solchen oder ähnlichen Horrorszenarien. Worüber reden Sie mit Kollegen, die Sie eigentlich gar nicht kennen oder nicht mögen? Wie umschiffen Sie peinliche Situationen? Wie geben Sie nicht zu viel von sich preis, um nicht am nächsten Tag zum Tratschopfer zu werden? Und vor allem: Wie gehen Sie um mit Ihrem Chef?
Sollten Sie nicht lieber die Firmenweihnachtsfeier meiden, um sich diese Situation zu ersparen? "Ein klares Nein!", sagt die Hamburger Karriere-Trainerin und Diplom-Psychologin Susanne Triebs. "Denn die Weihnachtsfeier ist in erster Linie eine wertvolle Chance, den Abend im positiven Sinne zu nutzen." Nach einer jüngsten Umfrage der ka-news freuen sich – zumindest im Karlsruher Einzugsgebiet – immerhin 35,62% der Arbeitnehmer sehr darauf. Nur 1,83% sehen in ihr allerdings eine Chance für ein berufliches Weiterkommen. "Schade", meint die Psychologin, "und völlig zu Unrecht! Denn die Weihnachtsfeier bietet nicht nur die Gelegenheit, einen anderen Blick hinter die Firmenkulisse zu werfen und betriebliche Zusammenhänge besser zu verstehen. Mit der Art Ihres Umgangs mit Chef und Kollegen können Sie sich auch für höhere Positionen empfehlen, bei denen Sozialkompetenz durchaus eine wichtige Rolle spielt". Darüber hinaus muss die "andere Seite" von Chef und Kollegen durchaus nicht immer peinlich, sondern kann auch ganz anregend sein. Außerdem: Als Teilnehmer dieser Feier sind Sie nicht nur Statist – nutzen Sie die Chance, von sich selbst einen positiven und sympathischen Eindruck zu hinterlassen.
"Häufig werden gerade bei solchen Anlässen – aus Unwissenheit oder Feierlaune - grundlegende Verhaltensregeln gebrochen, die fatale Folgen haben können", berichtet Jürgen Hesse vom Büro für Berufsstrategie. Kleiden Sie sich dem Rahmen der Feier angemessen und so, dass Sie sich wohl fühlen. Zu festliche Kleidung in der rustikalen Hafenkneipe lässt Sie ebenso sehr auffallen wie der Outdoor-Look zum Gala-Dinner. Auch wenn es allgemein ungezwungen zugehen soll – drängen Sie sich nicht auf, zeigen Sie nie zu deutlich, was Sie von Ihren Kollegen halten und lassen Sie sich auch zu vorgerückter Stunde nicht dazu hinreißen, schlecht über sie oder Ihren Chef zu reden. Begegnen Sie Ihren Kollegen mit Respekt, auch wenn Sie sich alles andere als grün sind. In der alten Frage "Du oder Sie?" spricht nichts gegen das "Du", wenn es zwischen Ihnen schon länger eine Grundsympathie gibt. Ergibt sich die Frage nur aus einer Alkohollaune heraus, sollten Sie beim „Siezen“ bleiben. Das erspart Ihnen am nächsten Tag den peinlichen Moment einer Klärung.
Halten Sie sich mit dem Alkohol generell zurück, um nicht zum Helden einer der zahlreichen peinlichen Anekdoten jeder Firmenfeier zu werden. Außerdem sind Sie so bis zum Schluss in der Lage, die besten Chancen für ein lohnendes Gespräch zu erkennen und sich als angenehmer Gesprächspartner zu erweisen, der sicher im Gedächtnis bleibt. Auch das Büfett, so einladend es auch sein mag, sollten Sie nur in Maßen genießen. "Überladene Teller und hastiges Hinunterschlingen machen Sie nur zur Zielscheibe böser Bemerkungen und zerstören jeden Eindruck von Souveränität.", so Hesse.
Büfett und Location bieten übrigens den besten Gesprächseinstieg mit Kollegen, die Sie bis jetzt nicht interessiert haben, oder nur vom Sehen oder ihrer Unterschrift kannten. Möglicherweise entpuppt sich so der einsilbige Büromuffel von gegenüber als kenntnisreicher Liebhaber Ihres eigenen Hobbys? "Eine veränderte Umgebung hilft, die Rollen abzulegen, die man im Büro täglich spielt", sagt der Karriereexperte Hesse. "Sie verhalten sich automatisch anders und zeigen den Kollegen eine Seite, die Sie für eine Kontaktaufnahme interessant macht."
Das nimmt Ihnen auch Ihre größte Sorge – das Gespräch mit dem Chef. "Bleiben Sie völlig natürlich! Das schafft Sympathien!", rät Small Talk-Spezialist Hesse. "Chefs sind auch nur Menschen und haben selten genug die Gelegenheit, etwas mehr von ihren Mitarbeitern zu erfahren." Konflikte am Arbeitsplatz sind allerdings tabu. Erwähnen Sie bei passender Gelegenheit Ihre Idee für ein neues Projekt, aber hüten Sie sich davor, ihn damit zu bedrängen. Erzählen Sie von Ihren Hobbys und finden Sie Gemeinsamkeiten. Achten Sie auch auf seine Signale, das Gespräch beenden zu wollen oder das Thema zu wechseln. Werden Sie nicht zu vertraulich, um einen missverständlichen Eindruck für Ihre Kollegen zu vermeiden und sich Ihrem Chef nicht als "Schleimer" zu präsentieren. Themen gibt es übrigens genug – den anstehenden Weihnachtsurlaub, den jährlichen Stress mit den Weihnachtsgeschenken, Ihre Vorsätze für das nächste Jahr, Ihre Interessen etc. Sie sollen ja nur als Einstieg dienen. Ist er erst einmal geschafft, ergibt sich der Rest wie von selbst.
Und: Es gibt auch Alternativen zur Firmenkantine, langen Reden und öder Tanzmusik. Je nach Budget sorgen gut organisierte Events wie Gala-Dinners im Wasserschloss, nächtliche Schatzsuchen im Wald, Teamolympiaden, Stadtspiele, Bootsfahrten oder gemeinsam zu lösende Kriminalgeschichten für gute Stimmung und bieten reichlich Gesprächsstoff auch außerhalb der Arbeit.
Büro für Berufsstrategie
030 / 2888 570