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... das wünschen sich viele. Doch sollten Arbeitnehmer angesichts der aktuellen Wirtschaftslage wirklich den Chef um mehr Gehalt bitten? Oder sollten sie nicht lieber froh sein, überhaupt Arbeit zu haben und deswegen ihre Wünsche zurückstellen?
Es ist nicht sinnvoll, seinen Wunsch nach mehr Gehalt zu lange für sich zu behalten ... auch nicht in Zeiten der Krise, erklärt Jürgen Hesse, Diplom-Psychologe und Karriereexperte im Büro für Berufsstrategie Hesse/Schrader. Ihr Chef wird es Ihnen in der Regel nicht danken, wenn Sie jahrelang das Thema Gehalt vermieden haben. Eine jobsichernde Maßnahme ist das auf jeden Fall nicht. Denn wer einmal im Jahr beim turnusmäßigen Mitarbeitergespräch auf das Thema Gehaltserhöhung zu sprechen kommt, wird geringere Forderungen stellen als jemand, der nach fünf Jahren eine Erhöhung einfordert ... und geringe Forderungen lassen sich leichter erfüllen.
Ein Blick in die Tarifabschlüsse zeigt, dass es auch in Krisenzeiten Gehaltserhöhungen gibt. Nach Angaben des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institutes (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung liegen die Tarifsteigerungen bei den im ersten Halbjahr 2009 abgeschlossenen Tarifverträgen zwischen 2,5 und 3,0 Prozent. Während im öffentlichen Dienst und in der Energiewirtschaft die Abschlüsse noch darüber liegen, fallen sie in anderen Branchen wie etwa dem Handel deutlich niedriger aus. Aus den vorliegenden Daten für das Jahr 2009 hat das WSI für rund 12 Millionen Beschäftigte eine durchschnittliche Tarifsteigerung von 3,0 Prozent errechnet. 2007 waren übrigens im Westen 63 Prozent und im Osten 54 Prozent tarifgebunden beschäftigt (Quelle: WSI Tarifarchiv 2008).
Es lohnt sich also, das heikle Thema Geld anzusprechen. Allerdings sollten Angestellte dies auf keinen Fall blauäugig tun. Denn natürlich wäre es ein schwerer Fauxpas, seinen Chef um mehr Gehalt zu bitten, wenn sich das Unternehmen in schweren Turbulenzen befindet. Deshalb rät Hesse, sich auf die Gehaltsverhandlung gut vorzubereiten und sich im Vorfeld zu fragen: Wo steht meine Firma? Wie steht es um den Markt? Wie ist das wirtschaftliche Umfeld? Wo stehe ich mit meiner Leistung? Wer mithilfe dieser Fragen zu dem Schluss gekommen ist, dass die Bitte um mehr Gehalt angemessen ist, sollte sie auch vorbringen. Warten Sie nicht zu lange mit dem Wunsch nach mehr Geld. Denn wenn Sie so lange warten, bis Ihnen das Thema aus den Ohren rauskommt, besteht die Gefahr, dass Sie im Gespräch unfreundlich werden und so Ihre Verhandlungsposition schwächen.
Und genau darum geht es: Die eigene Verhandlungsposition stärken. Deshalb sollte der Arbeitnehmer gute Argumente für seinen Wunsch nach mehr Gehalt vorbringen. Haben Sie neue Aufgaben dazubekommen? Übernehmen Sie jetzt mehr Verantwortung als früher? Haben Sie ein wichtiges Projekt erfolgreich zu Ende geführt? Wenn dies der Fall ist, haben Sie gute Gründe in der Hinterhand. "Zeigen Sie in der Gehaltsverhandlung, was Sie in der Vergangenheit geleistet haben, was Sie gerade jetzt tun und was Sie bereit sind, in Zukunft zu leisten", empfiehlt Hesse. Aber begründen Sie Ihren Wunsch nicht mit außerbetrieblichen Umständen! Dass alles teurer geworden ist, ist kein Argument für eine Gehaltsverhandlung. Und noch eins müssen verhandlungswillige Arbeitnehmer bedenken: Sie sollten die möglichen Gegenargumente Ihres Chefs kennen wie etwa, dass die Kassen leer sind. Wenn Sie sich im Vorfeld sorgfältig über die Bilanz Ihres Betriebes informiert haben, können Sie Ihrem Chef auch darlegen, dass die Firma Gewinn gemacht hat und Sie an diesem Erfolg nicht ganz unbeteiligt waren, berichtet Hesse. Natürlich sollte der Mitarbeiter sich auch informieren, welche Gehaltssteigerung realistisch ist.
Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist es besonders wichtig, sich über den Verhandlungsspielraum klar zu werden. Wollen Sie auf jeden Fall mehr Geld? Oder geht es Ihnen auch um die Anerkennung Ihrer Arbeit? Geld allein macht nicht glücklich. Deshalb rät Hesse: Seien Sie nicht nur auf Geld fixiert! Vielleicht kommt der Chef Ihnen ja in anderen Bereichen entgegen. Vielleicht lässt er Sie freitags früher gehen oder er finanziert Ihnen das Diensthandy oder den Englisch-Sprachkurs. Sein Tipp: Fragen Sie sich schon bei der Vorbereitung, welche andere Formen der Anerkennung für Sie in Frage kommen.
Auch bei der Gehaltsverhandlung gilt das Motto: Wie es in den Wald hineinschallt, so schallt es auch heraus. Es kommt also darauf an, die richtigen Worte zu finden. Wichtig ist, dass Sie Ihrem Chef respektvoll begegnen, erklärt Hesse. Denn nur so können Sie erwarten, dass auch Ihr Chef Ihnen Respekt entgegenbringt. Wer also nur die Fehler seines Chefs sieht und ihm am liebsten mit den derbsten Schimpfwörtern belegen würde, schafft keine gute Voraussetzung für das Gespräch.
Respekt ist übrigens auch das Zauberwort, wenn Verhandlungen zu scheitern drohen. Denn dann geht es darum, ruhig und unemotional zu reagieren und in Sachen Freundlichkeit nicht nachzulassen. Hören Sie Ihrem Gegenüber gut zu und schlagen Sie im Zweifelsfall eine Auszeit zum Überlegen vor, so Hesse. Er empfiehlt Sätze wie: Darüber möchte ich bitte erst nachdenken. Ich melde mich wieder bei Ihnen, sagen wir nächste Woche?
Natürlich sollten Arbeitnehmer damit rechnen, dass bei dem aktuellen Gespräch eventuell keine Gehaltserhöhung herauskommt. Ist das der Fall, ist es besonders wichtig, das Gespräch in freundlicher Atmosphäre zu beenden. Weisen Sie am Ende des Gespräches darauf hin, dass Sie natürlich auch weiterhin hohes Engagement zeigen werden, rät Hesse. Denn dann weiß Ihr Vorgesetzter, dass seine Absage Sie nicht demotiviert und auch die Arbeitsatmosphäre nicht beeinträchtigt. Übrigens können Arbeitnehmer Ihren Chef bei dieser Gelegenheit auch fragen, wann sie noch mal ihr Anliegen thematisieren können, zum Beispiel bei einem Gesprächstermin in sechs Monaten. Vielleicht klappt’s ja dann ... und Sie gehen mit mehr Gehalt in der Tasche nach Hause.
Sandra Peters
030 / 2888 570