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In den schönsten Zeiten der Sowjetunion sondierten die Kreml-Astrologen nach dem Tode eines jeden Generalsekretärs der Kommunistischen Partei die Nachfolgekandidaten. Hier galt meist: Alter schlägt Jugend. Ein Bewerber mit 48 oder 50 wäre gar nicht genommen worden - zu jung! Als Gorbatschow mit 54 Jahren an die Parteispitze rückte, galt er vielen Beobachtern als Jungspund. Ausnahmen, Übertreibungen wendet der ein oder andere Leser jetzt ein - richtig. Jedoch ist im Kern eine Wahrheit geblieben: die der Erfahrung, Reife und Krisenfestigkeit. Und diese Aspekte sollten Entscheider in der aktuellen wie künftigen wirtschaftlichen Lage bei der Personalauswahl besonders berücksichtigen.
Als jung gelten in den Personaletagen dagegen oft schon nicht mal mehr Vierzigjährige - gefühltes Alter: eher kurz vor der Rente - so erleben Angestellte immer noch, dass sie nicht mehr oder kaum noch gefördert werden. Trotz aktueller Krisenszenarien ändert sich auf absehbare Zeit wohl nichts an der niedrigen Geburtenrate und dem mittel- und langfristigen Fehlen von Fachkräften in der Bundesrepublik. Die häufigsten Vorurteile gegenüber älteren Arbeitnehmern lesen sich meist so: Häufiger krank, wenig belastbar, unflexibel und einfach zu langsam, kaum noch kreativ... Die Liste der Vorurteile, mit denen Bewerber und Bewerberinnen über 48 zu kämpfen haben, ist endlos. Und blanker Unsinn noch dazu!
Dabei ist kaum eines davon wirklich haltbar. Im Gegenteil: Medizinische und soziologische Forschungsergebnisse der letzten Jahre haben deutlich gemacht, dass mit über 50 der Höhepunkt an Leistungsfähigkeit bei einer ganzen Reihe von wichtigen kognitiven und sozialen Fähigkeiten erreicht wird. Dazu gehören das Sprachverständnis, Logik und dank der gemachten Erfahrungen eine gesteigerte soziale Kompetenz. Außerdem kann jedes dieser Schein-Argumente auch gegen Jüngere ins Feld geführt werden. Lesen wir nicht immer wieder die Klagen von Lehrern und besonders Personalverantwortlichen, dass der Nachwuchs kaum Allgemeinbildung mehr habe? Kein gutes Deutsch mehr könne? Und die Mathe- sowie Naturwissenschaftskenntnisse sich im unterirdischen Bereich bewegten?
Es ist wie so oft im Leben, es gibt nicht schwarz oder weiß - sondern in allen Altersgruppen gute, kompetente Leute. Kreativität und Flexibilität hängen eben nicht an einem bestimmten Alter. Sie hängen von Neugier, geistiger Offenheit und Lebenserfahrung ab. Das wichtigste Kapital Älterer ist ihre jahrelange Berufserfahrung. Sie sollten ihr Licht nicht länger unter den Scheffel stellen und mit ihren Pfunden wuchern. In der Praxis bedeutet das, im Bewerbungsverfahren dem potenziellen Arbeitgeber selbstbewusst die bisher verbuchten Erfolge zu präsentieren. Wichtig ist auch, aufzuzeigen, was aufgrund der langen Berufserfahrung die besonderen fachlichen und persönlichen Stärken sind. Karriereexperte Jürgen Hesse rät dazu ausdrücklich, mutig aufzutreten.
Nur circa 30 Prozent aller Stellen in deutschen Unternehmen werden per Zeitungsannonce besetzt. Das heißt, Sie werden mit dieser Strategie alleine nicht auskommen. Das Internet ist eine hervorragende Erweiterung des Suchradius. Es ist unentbehrlich bei der Recherche nach geeigneten Stellenangeboten, aber auch geeigneten Unternehmen für eine Initiativbewerbung. Denn Eigeninitiative gehört auf jeden Fall zu der Suche nach dem geeigneten neuen Job. Auch die Möglichkeit eines Stellengesuchs in einem passenden Print- oder Online-Medium sollte nicht außer Acht gelassen werden. Und bitte nicht vergessen: Immer die besonderen, eigenen Stärken präsentieren, die sich jeder Berufserfahrene aufgrund einer langen Laufbahn aneignen konnte.
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Steffen Westermann
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