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Karriere ist eines der großen Schlagwörter der Zeit. Alle reden davon, fast alle wollen sie machen, Politik und Wirtschaft beschwören immer wieder bessere Bildungschancen - Grundlage für die erfolgreiche Karriere. Auf dem Buchmarkt mehrt sich die Literatur zum Thema Karrierewege und Aufstiegsmöglichkeiten. Derjenige, der die sich daraus ergebenden Fragen ignoriert, scheint seine Karriere bereits hinter sich zu haben. Dabei hat dieses schillernde Wort ursprünglich gar nichts mit "Aufsteigen" zu tun.
Aus dem Lateinischen von carrus kommend bedeutet es "Wagen", was sich im Deutschen dann noch umgangssprachlich als "Karre" erhalten hat. Da die Karren zum Vorankommen Fahrwege brauchen, haben diese sich allmählich metaphorisch auf die Karriere als einer "Transportstrecke" übertragen. Aus all diesen Aspekten hat sich schließlich die heute dominierende Vorstellung von Karriere als beruflichem Erfolg und sozialem Aufstieg entwickelt. Inzwischen mit allerdings recht einseitigen Assoziationen: Beruflicher Aufstieg in die Sphären des oberen Managements mit Jahresgehältern ab 120.000 Euro - verbunden mit einem hohen Sozialprestige. Gab es da nicht einen passende Werbespot? Genau: "Mein Haus, mein Auto, meine Yacht! "
Wenn wir ehrlich sind, definieren die meisten Karriere ganz genau so. Der Maßstab dafür hängt oft von der Höhe des Gehalts und erworbenem gesellschaftlichen Prestige ab - die Idealfigur sieht dann ungefähr so aus: "Dr. Dr. h.c. mult. Lindemann, Vorstandsvorsitzender der Deutschland AG". Aber das sind dann doch eher die Ausnahmen, die eine nicht näher bestimmte Regel bestätigen. Aber sollte nicht viel mehr die Regel sein, dass jeder für sich selbst bestimmt, was Karriere ist? Wenn ein Schulabgänger mit Begeisterung eine Friseurlehre absolviert und sich das Ziel setzt, einmal selbständig zu arbeiten und dieses Ziel dann erreicht, dann ist das eine Karriere! Und dies ist genauso viel Wert wie ein anderer, der sich eine Doktorarbeit zum Ziel setzt und erfolgreich abschließt.
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Steffen Westermann
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