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Jeder kennt diese Situation, dass einem die Worte fehlen oder gar noch das Gesicht rot anläuft von einer unangenehmen Frage bzw. einer spitzen Bemerkung. Menschen mit Schlagfertigkeit sind dann gegenüber Introvertierten klar im Vorteil - wer mit dem feinen Florett der Worte zu fechten weiß, wehrt freche Bemerkungen erfolgreich ab oder sorgt auch für Sympathiepunkte. Außerdem - nur wer sich nicht immer alles gefallen lässt, wird auch ernstgenommen. Das gilt sowohl für den Arbeitsplatz als auch fürs Private.
Das Stilmittel der Rhetorik hat sich auf den Marktplätzen der griechischen Antike entwickelt - und von seiner Überzeugungskraft bis heute nichts eingebüßt. Die Grundlagen zu können, helfen bei Meetings, Präsentationen, im Vorstellungsgespräch oder in Geschäftsverhandlungen. "Ohne gute kommunikative Kenntnisse, ist eine erfolgreiche Laufbahn in heutigen Unternehmen sehr schwer geworden. Dazu gehört auch, sich gegen Verbalattacken oder Seitenhiebe von Kollegen geschickt zu verteidigen", betont Thomas Rübel, Geschäftsführer im Büro für Berufsstrategie. Durch Techniken und Übungen lässt sich auch ein eher zurückhaltender Typus, zu einem konterstarken Menschen aufbauen.
Sich von Schlagfertigkeitshemmungen zu lösen, fällt vielen Menschen schwer. Sie reagieren auf verbale Angriffe oft unsicher, sie rechtfertigen sich oder sind sprachlos. Erst einige Zeit später, auf dem Heimweg oder am nächsten Tag fallen endlich passende Antworten auf spitze Bemerkungen der Kollegen und des Chefs ein. Leider zu spät. Immer wieder den Kürzeren zu ziehen oder gegen Knock-out-Phrasen nicht richtig zu Wort zu kommen - das ist auf Dauer sehr frustrierend.
Doch die Fähigkeit, im richtigen Moment die passende Antwort zu finden, lässt sich trainieren, so die einhellige Meinung von Kommunikationsexperten. "Wer sich ein Repertoire an Strategien zulegt, mit denen er kecke Sprüche oder sogar Beleidigungen geschickt entschärft, ist so schnell nicht mundtot zu machen", betont Schlagfertigkeits-Trainerin Andrea Boeber. Wie ein geübter Athlet einen beeindruckenden Sprint hinlegt, so ist auch trainierte Schlagfertigkeit ein großer Vorteil.
Grundsätzlich gilt: Wer sich rechtfertigt oder betreten schweigt, begibt sich vorschnell in eine defensive Position. Wer jedoch einer unterstellten Schwäche, einer Dreistigkeit mit Witz und Ironie begegnet, indem er sie augenzwinkernd zugibt, überrascht den Angreifer eher. Häufig hat derjenige nicht mit einer Retourkutsche gerechnet und ist selbst mitunter einen Moment lang sprachlos.
Kontertechniken zielen auch darauf ab, Gespräche auf eine sachliche Ebene zu bringen. Sich selbst dabei nicht in die Defensive drängen zu lassen und Gesprächspartner notfalls in ihre Schranken zu verweisen. Dabei ist es jedoch wichtig - bei aller Schlagfertigkeit -, die jeweilige Situation richtig einzuschätzen und nicht jede Bemerkung um jeden Preis erwidern zu wollen. Verbale Attacken und Behauptungen lassen sich sachlich kommentieren, so dass die eigene Souveränität wiederhergestellt wird. Denn es geht niemals darum, jemanden "fertig zu machen", wie es häufig am Arbeitsplatz geschieht und dieser als "Schlachtfeld der Schlagfertigkeit" missbraucht wird.
Steffen Westermann
030 / 2888 570