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Wo viele Menschen aufeinandertreffen, entstehen Konflikte. Das ist normal und sozusagen menschlich. Was aber, wenn der Konflikt eskaliert, einige Mitarbeiter sich zusammenrotten und heimlich oder offen gegen den ungeliebten Kollegen Stimmung machen und der Arbeitsalltag für ihn zum Spießrutenlauf wird? Mobbing am Arbeitsplatz ist ein Thema, das mehr und mehr Menschen betrifft, das aber vielfach immer noch tabuisiert wird.
Laut Mobbing-Report der Sozialforschungsstelle Dortmund waren im Jahr 2002 2,7% der Erwerbstätigen von Mobbing am Arbeitsplatz betroffen, d.h. dem Psychoterror von Chef oder Kollegen ausgesetzt. Die Initiative „Neue Qualität der Arbeit“ fand 2008 heraus, dass in dem Jahr bereits 11% der Beschäftigten in Deutschland mindestens einmal Mobbing am Arbeitsplatz ausgesetzt waren. Tendenz weiter steigend – gerade nach der Wirtschaftskrise und besonders in Betrieben mit finanziellen Schwierigkeiten. Immer dringender wird also die regelmäßige Aufklärung über Mobbing und für Betroffene die Beantwortung der Frage: Was lässt sich gegen Mobbing am Arbeitsplatz tun?
Der Begriff Mobbing leitet sich von dem englischen Wort „mob“ ab und lässt sich übersetzen mit: Pöbel, Gesindel, Pack. Als Verb bedeutet es jemanden bedrängen, angreifen, anpöbeln, über ihn herfallen. Aus der Übersetzung lässt sich bereits schließen, dass es bei Mobbing am Arbeitsplatz nicht um die kleineren Streiteren und Konflikte im Büro geht. Getuschel hinter dem Rücken, die ein oder andere harte Manöverkritik vom Chef oder Gruppenbildung in der Kantine sind nichts Ungewöhnliches. In Abgrenzung zu solch alltäglichen Konfliktsituationen zielt Mobbing am Arbeitsplatz für das Bundesministerium für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz (BMSG) auf Ausgrenzung ab und greift den Betroffenen an seinen psychischen, biologischen und sozialen Grundlagen an.
Das Landesarbeitsgericht (LAG) Schleswig-Holstein (LAG SCHlH, 19.03.2002, 3 Sa 1/02, NZA-RR 2002, 457) definiert Mobbing am Arbeitsplatz folgendermaßen:
„Der Begriff Mobbing beschreibt eine konfliktbelastete Kommunikation am Arbeitsplatz unter Kollegen oder zwischen Vorgesetzten und Untergebenen, bei der die angegriffene Person unterlegen ist und von einer oder einigen Personen systematisch, oft und während einer längeren Zeit mit dem Ziel und/oder dem Effekt des Ausstoßens aus dem Verhältnis direkt oder indirekt angegriffen wird und dies als Diskriminierung empfindet.“
Gemeint ist mit dem Begriff also eine zielgerichtete, systematische und längerfristige Schikane oder Diskriminierung – im schlimmsten Fall mit der Absicht, den jeweiligen Mitarbeiter aus dem Unternehmen zu bugsieren. Andere Definitionen fassen den Begriff deutlich enger. Sie sprechen erst von Mobbing, wenn typische Mobbinghandlungen mindestens einmal wöchentlich über einen Zeitraum von einem halben Jahr hinweg vorgenommen wurden. Dadurch werden aber Personengruppen als Gemobbte ausgeschlossen, die durch andere Handlungen oder in weniger als sechs Monaten oder seltener als einmal wöchentlich von einer Mobbing-Attacke betroffen sind.
Mobbing am Arbeitsplatz lässt sich weiterhin unterscheiden zwischen „Bossing“ und „Staffing“. Mit „Bossing“ ist die häufiger vorkommende Variante des Mobbings gemeint, dem Mobbing von oben nach unten, von Führungskräften und Teamleitern in Richtung ihrer Untergebenen. Letztere haben es besonders schwer, da sie kaum eine Chance haben, gegen den eigenen Chef vorzugehen. Diese Form von Mobbing am Arbeitsplatz kann deshalb auch als unternehmensstrategische Personalabbau-Maßnahme eingesetzt werden. Ziel dabei ist es, nicht mehr gewollte Mitarbeiter durch Mobbing zur Kündigung zu bewegen und somit den Kündigungsschutz oder Abfindungsklauseln zu umgehen. „Staffing“ hingegen bezeichnet den umgekehrten Fall: Die Attacke gegen einzelne Führungskräfte oder gegen die gesamte Führungsebene von Seiten der Mitarbeiter mit der Absicht, den Vorgesetzten zu untergraben und sein Ansehen zu ruinieren.
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